Donnerstag, 6. September 2012

Frauendiskriminierung durch eine patriarchalisch geprägte Unterhaltungsgeräteindustrie


Gestern endete in Berlin die Funkausstellung. 
Wieder einmal wurden Rekordumsätze verbucht, beziehungsweise Verträge in rekordverdächtiger Höhe geschlossen.

Die Rede ist von einem Vertragsvolumen In Höhe von 3,8 Milliarden Euro. Nicht schlecht, wie man meinen möchte. Allerdings: 
Wenn meine Mädels und ich zur Weihnachtszeit einen Glühweinstand entern, liegen wir umsatztechnisch auch nur knapp darunter -  aber das nur am Rande.

Jedenfalls bin ich, als technisch versierte und an den Neuerungen der uns beglückenden Unterhaltungsgeräteindustrie interessierte potentielle Kaufinteressentin in die Messehallen unter dem Funkturm einmarschiert und ließ meinen Kennerinnenblick über die Stände der Aussteller schweifen.

Mein Messebesuch war aber nicht der Langeweile oder gar einem übersteigertem Interesse an superschlanken TV-Geräten geschuldet (Übrigens: Das Wort "superschlank" hasse ich wie die Pest!), sondern diente einem bestimmten Ziel: 
Ich war auf der Suche nach einem neuen Mobiltelefon, welches sich auch von Frauen wie mir problemlos bedienen lassen sollte.

Wer an dieser Stelle jetzt denkt, die gäbe es doch schon in Form von idiotensicheren Senioren- oder Notruftelefonen, ist ein elender Chauvinist und sollte sich schämen!

Es geht vielmehr darum, dass es auch mit langen Fingernägeln möglich sein sollte, ein modernes Mobiltelefon, neudeutsch "Smartphone" genannt, zu bedienen.

Nun sind diese Smartphones zumeist mit sog. kapazitiven Displays ausgestattet. Was bedeutet, dass sie nur mit der Fingerkuppe zu bedienen sind.

Wenn Frauen, die wie ich lange Fingernägel haben, ein solches Gerät ohne Verrenkungen benutzen wollen, müssen sie sich auch noch einen speziellen Eingabestift dazu kaufen - und diesen logischerweise immer mit sich führen.

Wer schon einmal eine Frau mit gestylten Nägeln dabei beobachten konnte, ohne einen solchen Stift zu versuchen, eine SMS mit ihrem High-End-Mobiltelefon zu verfassen, der fühlt sich nicht von ungefähr an einen Bühnenauftritt von Joe Cocker oder gar grausige Bilder aus der Elektrokrampftherapie erinnert. Denn es sieht einfach, Pardon, beschissen aus!

Offensichtlich haben die Gerätehersteller die Zielgruppe Frau völlig aus dem Blick verloren und sind der Ansicht, ein reines Männerspielzeug zu vertreiben. Deren Auffassung nach kann man uns Frauen wohl prima mit Pink gefärbtem Elektronikschrott aus der Gründerzeit des Mobilfunks abspeisen...

Doch das geht nicht mehr lange gut, denn wir Frauen werden dagegen mobil machen!

Früher oder später werden die Hersteller ihre arrogante Haltung ablegen müssen, da bin Ich mir sicher.

Kommentare:

  1. Damit die Frauen endlich aus dieser Bedienungs-Nagelprobe herauskommen, habe ich den hochklappbaren künstlichen Fingernagel erfunden. Die platinierten Scharniere liegen beim Prototypen unterhalb der manikürten Oberfläche, weshalb die Optik sehr ansprechend ist.
    Viel bessere wäre allerdings ein Handy, welches ausschließlich mit Sprache gesteuert wird, auch SM-Essen sollten damit problemlos erstellt und versandt werden können. Sehr hilfreich wäre dabei auch eine Funktion, die eine Selbstzerstörung herbeiführen würde, sobald das Wort "Schuhe" und "kaufen" gesprochen wird.

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  2. Ich glaube eh nicht, dass dieses Internet Zukunft hat. Deswegen werden wir früher oder später wieder beim mobilen Wählscheibentelefon landen. Und das ist auch mit langen Fingernägeln problemlos bedienbar.

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  3. Die Idee mit dem hochklappbaren Fingernagel klingt ja recht vielversprechend. Aber die Industrie sollte sich nach den Bedürfnissen ihrer Kundinnen richten und nicht umgekehrt.

    Und was ist ein Wählscheibentelefon? Habe ich das auf der Messe vielleicht übersehen oder kommt das erst nächstes Jahr?

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  4. Sehr geehrte Frau Pohn, bitte bemühen Sie sich nicht, einen Mann richtig zu verstehen.
    Gemeint ist natürlich ein WählscheibenteleFÖN.

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